Kinderuni 2026: Menschliche Regeln für Künstliche Intelligenz


Kinderuni 2026: Menschliche Regeln für Künstliche Intelligenz
verfasst von Saskia Kaltenbrunner und Anna Tauber
In der zweiten Juli-Hälfte 2026 fand die Kinderuni Wien statt, bei der Lehrende die Möglichkeit haben, Kindern ihre Forschungs- und Interessengebiete näher zu bringen. Saskia Kaltenbrunner und Anna Tauber verbrachten den Vormittag mit 40 Kindern im Alter zwischen 10 und 12 Jahren und der großen Frage nach menschlichen Regeln für Künstliche Intelligenz.
Gestartet sind wir mit Fragen ans Publikum: Wie präsent ist KI tatsächlich im Alltag der Kinder? Und wieviel Hintergrundwissen und Sensibilisierung bringen sie bereits mit? Nach dem Sammeln von verschiedenen Anwendungsbereichen (zB zum Recherchieren, Kick-Tipp-Vorhersage zur WM und selbstgeschriebene Texte zu Liedern kreieren lassen) haben wir uns an eine möglichst einfache Definition von KI gewagt: eine Maschine, die menschliche Intelligenz nachahmt. Die entsprechende Legaldefinition des Art 3 Z1 der KI-Verordnung (KI-VO) stellte dazu einen starken Kontrast dar – die Kinder meinten aber, dass diese dennoch gut verständlich sei (die Autorinnen sind hier anderer Meinung (gewesen)).
Dann diskutierte das Publikum Szenarien, die allesamt mit KI-Komponente ausgestattet waren und (mehrheitlich) von den Kindern als zu verbieten eingestuft wurden: eine interagierende KI-Barbie; die KI-gestützte Bewertung von Konzentration im Unterricht, die entsprechend Hausaufgaben verteilte; Zugang zum Medizinstudium basierend auf der KI-Analyse vergangener schulischer Leistungen anstelle des MedAT; die KI-Bewertung von Lehrplan-Befolgung durch das Lehrpersonal im Unterricht.
Nach Input zu Technologie-Regulierung in der Vergangenheit und Schwierigkeiten in Verbindung mit KI-Regulierung widmeten wir uns dem Herzstück: einem KI-Gesetz, das (im Gegenteil zur KI-VO nicht von Erwachsenen), sondern von Kindern verfasst wurde (und im Gegensatz zur KI-VO an einem Vormittag). Je Gruppe wurden drei thematisch zusammenhängende KI-Anwendungsfälle diskutiert, sortiert, bewertet und abschließend unter einem Hut (je nach erlaubten, mit Auflagen erlaubten und verbotenen
Regelungsgegenständen) als Gesetz formuliert. Es folgte eine Abstimmung des Kinderparlaments und wir freuen uns zu verkünden: Es gibt nun eine Kinder-KI-Verordnung!
- Wir verbieten KI, Lügen zu erfinden wenn sie es nicht weiß. Wir erlauben der KI, Nachrichten zu verbreiten wenn es wahr ist und von Menschen kontrolliert wird.
- Wir erlauben der KI, nur ansteckende Krankheiten anzusagen. Die KI darf kein Schularzt sein. Es sollte keine KI als Schulpsycholog*in geben, da der Mensch besser und vertraulicher kontrollieren sollte.
- Die KI sollte Datenschutz respektieren und nur auf gewollte Daten zugreifen können.
- Bei Erlaubnis der Eltern darf die Zeit auf verschiedenen Apps aufgezeichnet werden. Verboten ist jedoch jeden einzelnen Klick von der KI verfolgt zu werden. KI ist es erlaubt, wenn sie das Wort Bombe findet, den Zusammenhang herauszufinden und wenn nötig der Polizei zu melden.
- Wir erlauben der KI, uns Tipps zu geben nur wenn sie nicht über uns bestimmt!
- Wir verbieten es, die Hausübung junger Menschen auf Anfrage vollständig zu machen. Wir erlauben es aber, im Falle das man nicht mehr weiterkommt, das KI einem weiterhilft, aber ohne die Lösungen zu sagen. Wir erlauben auch, das KI Hausaufgaben anschaut und Ratschläge gibt, um eine bessere Note zu erhalten.
- Wir erlauben den KI Schularbeiten pro Schüler*in machen aber nur wenn dass Eltern, Kinder und Lehrer*innen erlauben.
- Wir erlauben KI die zur Mithilfe der Benotung dient, aber der Lehrer muss grundsätzlich die Entscheidung selber treffen. KI darf keine Entscheidungen über Bildungswege selber treffen, sondern nur beraten. Die KI muss „sicher“ sein.
- Wir verbieten der KI in einem Restaurant zu kellnern und Lehrer und Lehrerinnen zu ersetzen.
- Wir verbieten fake Videos und Fake Akounts von KI in den sozialen Medien. Wir erlauben, dass KI Musik produziert, nur wenn es dabei ganz groß „von KI“ oben steht. KI Videos von Politikern werden direkt gelöscht und der user muss 1000€ zahlen. Wenn KI einen Account erstellt auf den socialen Medien, wird dieser überal gebant und er wird sofort gelöscht.
Unsere Learnings: Kinder wissen wirklich viel (zB zu Fehleranfälligkeit, möglichen Diskriminierungen), sind privacy-sensibel (zB zu Überwachung des Klassenzimmers sowohl von Kindern als auch Lehrpersonal, wohin Daten transferiert werden) und kennen Barbies tatsächlich nicht mehr als Spielzeug. Es war uns eine Freude!
